Ist Yoga wirklich sicher?

Nutzen und Risiken von Yoga-William-BroadDiese Frage beschäftigt die Yogaszene seit Januar in Amerika. Den ganzen Rummel bzw. Aufruhr hat sie einem Mann, William J. Broad, zu verdanken. Er ist Autor und hat Anfang Januar einen Artikel im New York Times Sunday Magazin veröffentlicht, der die dortige Yoga-Community auf den Kopf gestellt hat.

Was ist passiert? Broad beschäftigt sich in seinem Artikel mit den Schäden, die Yoga anrichten kann, wenn man nicht richtig aufpasst oder auch wenn man aufpasst. Hier kannst Du den vollständigen Artikel im New York Times Magazine nachlesen.

Er behauptet an einem Beispiel, dass z.B. eine junge und gesunde Frau aufgrund von Yoga einen Schlaganfall während der Yoga-Stunde bekommen hat und so die Risiken beim Yoga unverhältnismäßig hoch seien. Er lässt allerdings unbeantwortet, mit was er die Anzahl der Risiken vergleicht. Ohne die Statistiken genau zu kennen, behaupte ich jedenfalls, dass es beim Fußball, Skifahren, selbst beim Joggen mehr Verletzungen gibt als beim Yoga. Aber dies Risiko scheint ja „normal“ zu sein, nur wird es nicht beim Yoga akzeptiert.

Was hat er damit erreicht? Yoga-Anfänger sind verunsichert. Kritiker sagen, dass sie das ja schon immer wussten, dass Yoga Quatsch ist und langjährige Yogis wie ich, sind einfach nur sauer.

Yoga ist nicht immer nur entspannend und man liegt gemütlich auf der Yogamatte. Auch wenn dies noch ein weitverbreitetes Vorurteil ist. Yoga arbeitet mit dem Körper, um etwas im Geist zu verändern, zumindest in den körperorientierten Yoga-Richtungen, wie Hatha-Yoga und alle daran angegliederten Ausprägungen wie Power-Yoga, Ashtanga-Yoga, Jivamukti-Yoga, Bikram-Yoga,…

Das was Broad vergisst zu erwähnen ist, dass das oberste Gebot des Yoga die persönliche Verantwortung ist. Wir Yoga-Lehrer halten unsere Schüler in jeder Yoga-Stunde erneut dazu an, in sich hineinzuspüren und sich selbst wahrzunehmen, um sich besser kennenzulernen. Die Grenze zu spüren und den Punkt zwischen zu viel und nicht genug wahrzunehmen. Doch was jeder Einzelne daraus macht, liegt in seiner eigenen Verantwortung.

Denn so wie wir uns auf der Yogamatte verhalten, so verhalten wir uns auch im Alltag. Das sogenannte Selbststudium (Svadhyaya) hilft uns Yogis, unser Verhalten im Alltag entsprechend den Erfahrungen aus dem Yoga-Unterricht zu überprüfen und ggf. so anzupassen, dass wir uns wohlfühlen.

Was er leider auch nicht erwähnt ist, wie vielen Menschen Yoga maßgeblich hilft. Er ignoriert jeglichen Nutzen als auch die dahinter liegende Philosophie des Yoga. Gerade in meinen eigenen Yoga-Kursen hatte ich letzte Woche zwei Schüler, die zu Anfang Kopfschmerzen hatten und an die sie sich am Ende der Stunde gar nicht mehr erinnerten. Die Liste derer, denen Yoga gut tut ist um ein vielfaches höher als die, die sich schon mal verletzt haben.

Ein Kommentar einer Leserin „Karan“ aus Los Angeles hat mir besonders gut gefallen:
„Es ist nicht Yoga, das Dich verletzt, Du bist es, der Dich verletzt. Du allein triffst die Wahl des Yogalehrers. Du bist nicht geduldig genug. Du hörst nicht genug auf die Signale Deines Körpers. Yoga trägt nicht die Verantwortung, Du bist es, der die Verantwortung einfach an andere weiter gibt.“

Wenn ich allerdings vor mir selbst die Augen verschließe, mich nicht kennenlernen möchte und lieber mit dem Mattennachbarn in den Wettbewerb trete, dann sind Verletzungen tatsächlich nicht ausgeschlossen, sondern eher vorprogrammiert.

Ich denke, dass es vielleicht nur eine von ihm klug angelegte Marketing-Strategie war, die man nicht so ernst nehmen sollte. Denn nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung seines Artikels, kam sein neues Buch „Die Wissenschaft des Yoga: Chancen und Risiken“ auf den Markt. Solche PR treibt natürlich auch schön, die Verkaufszahlen in die Höhe 😉
Sein Buch gibt es bei Amazon für 18,95€, allerdings bisher nur in englischer Sprache

Wenn auch Du eine Meinung dazu hast, freue ich mich über einen Kommentar.

Namasté
Deine Diana

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2 Kommentare
  1. La La
    La La says:

    Hallo Diana!

    Erstmal möchte ich dir sagen, wie toll ich deinen Blog finde!
    Und nun zu deinem neuen Post…
    Ob Yoga für einen gesund ist, muss jeder selbst wissen. Dass es Krebs heilt, so weit würde ich nicht gehen. Aber die täglichen Zipperlein, die Volkskrankheiten wie Migräne, Knie- und Rückenleiden, Stress und Burn-out auszugleichen, vermag es nach meiner Erfahrung schon. Ich kann von mir sagen, dass sich nach nur wenigen Stunden Yoga bereits meine Migräne und Rückenschmerzen wie weggeblasen waren, und bei regelmäßigem Üben auch nicht wiederkommen.

    Viele Grüße und einen schönen Tag!

  2. Maja
    Maja says:

    Hallo Diana,

    ich halte das alles auch für einen PR-Gag und würde dem nicht zu viel Gewicht geben. Überzeugte Yogis lassen sich durch den Artikel nicht vom Yoga abhalten. Einige Anfänger werden sicher verunsichert aber ich hoffe, sie probieren es dann einfach aus und spüren, wie es ihnen nach dem Üben geht. Hier sind wir Yoga-LehrerInnen gefragt.

    Fakten gegeneinander aufwiegen – was bringt es oder wem schadet Yoga? – finde ich nicht notwendig. Wer sich Gelegenheit gibt zu spüren, spürt es.

    Die wichtigsten Punkte zu dem Thema hast Du erwähnt: Die Yoga-Stunde als konkurenzfreie Zone annehmen und mal Urlaub vom Ehrgeiz machen, dazu einen passenden Lehrer/Lehrerin. und schon kann gar nicht mehr sooo viel passieren.

    Noch einen schönen Tag mit viel Yoga!

    Maja

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